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Die Sternbrücke und das Verhältnis von Stadt- zu Verkehrsplanung

Wie bereits hier berichtet, hatte sich die HAK kritisch zu den Planungen für einen Neubau der Sternbrücke sowie zum Verhältnis von Verkehrs- und Stadtplanung in Hamburg geäußert. Die Kammer forderte eine Transparenz im Planungsverfahren, die Offenlegung der Gründe, die zu einer Entscheidung für eine stützenfreie Brücke geführt haben, die Prüfung von Brückenvarianten mit Stützen sowie die Verlagerung der Verkehrsabteilung von der Wirtschaftsbehörde zurück in die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW). Die entsprechende Pressemitteilung fand ein breites Medienecho. Seitdem gibt es neue politische Entwicklungen.

Die Bürgerschaftsfraktionen von SPD und Grünen fordern in einem gemeinsamen Antrag den Senat auf, einen Alternativentwurf für einen Brückenneubau „vertieft zu prüfen“. Wörtlich heißt es in einer Pressemitteilung der Bürgerschaftsfraktion der Grünen vom 11. Juni: „Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen beantragen nun mit einem gemeinsamen Antrag zur Bürgerschaftssitzung am 24. Juni, neben dem Stabbogenentwurf für den Brückenneubau auch den Alternativentwurf (Drei-Stützen-Variante) vertieft zu prüfen. Zudem sollen die Kriterien aufgezeigt werden, die zur Auswahl der bisherigen Vorzugsvariante geführt haben.“ Mareike Engels, Wahlkreisabgeordnete aus Altona und stellvertretende Vorsitzende der Grünen Bürgerschaftsfraktion, lässt sich wie folgt zitieren: „Der Entwurf der Deutschen Bahn für die neue Sternbrücke ist in der Öffentlichkeit auf viel Kritik gestoßen. Auch die Grüne Bürgerschaftsfraktion betrachtet die Dimension der vorgeschlagenen Stabbogenbrücke im Verhältnis zum städtebaulichen Umfeld nicht ohne Bedenken. Da bisher keine vertiefte Betrachtung alternativer Brückenkonstruktionen stattgefunden hat, beantragen wir nun die Prüfung einer Drei-Stützen-Variante für den Neubau der Sternbrücke. Beim Vergleich der Varianten ist uns wichtig, dass auch die Verkehrsführung unter der Brücke betrachtet wird. Mit dem Brückenneubau sollen mehr Platz und Übersicht für den Rad- und Fußverkehr an der Kreuzung Stresemannstraße/Max-Brauer-Allee geschaffen werden. Die Sternbrücke ist ein bedeutender Baustein im Hamburger Schienennetz, der sowohl für den S-Bahn- als auch für den Regional- und Fernverkehr funktional, leistungsstark und zukunftsgerichtet gestaltet sein muss. Dabei ist uns zugleich wichtig, die städtebaulichen Maßstäbe, die nachbarschaftlichen Bedarfe und das soziokulturelle Gefüge vor Ort im Blick zu behalten.“

Dirk Kienscherf, Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion, äußerte sich ebenfalls: „Unser Antrag soll dazu beitragen, die wichtige öffentliche Diskussion rund um den Neubau auf ein sachliches Fundament zu stellen. So sollen Senat und Deutsche Bahn neben der Vorzugsvariante einer Stabbogenbrücke auch die Drei-Stützen-Alternative vertieft auf bautechnische Fragen hin prüfen und die Entwürfe miteinander vergleichen. Das Ziel dabei muss sein, eine tragfähige Lösung für alle Verkehrsbeteiligten und den Stadtteil gleichermaßen zu entwickeln. Uns ist wichtig, dass das Verfahren von Sorgfalt geprägt wird, um Transparenz und Vertrauen in den Neubau aufbauen zu können. Dazu gehört neben der Darstellung der ausschlaggebenden Kriterien für uns auch, dass die unübersichtliche Lage im Sinne der Verkehrssicherheit geordnet wird, also auch die Bedürfnisse von Radfahrenden und zu Fuß Gehenden Berücksichtigung finden.“

Die Hamburgische Architektenkammer begrüßt den Antrag sehr und unterstützt die Forderung nach Prüfung einer alternativen Brückenvariante mit Stützen. Eine solche Brücke mit Stützen ist aus Sicht der HAK der Schlüssel zu einem weniger hohen und massiven und damit stadtbildverträglicherem Baukörper. Auch die Forderung nach Transparenz wird von der HAK sehr unterstützt. Weiterhin ist aus Sicht der Kammer auch ein Planungswettbewerb notwendig, um eine funktional und gestalterisch überzeugende Lösung zu finden.

Eine weitere wichtige Veränderung betrifft den Behördenzuschnitt: Im Zuge der Einigung auf einen Koalitionsvertrag wurde beschlossen, das Amt für Verkehr aus der Wirtschaftsbehörde herauszulösen und in eine eigenständige „Behörde für Verkehr und Mobilitätswende“ umzuwandeln. Senator und Behördenleiter ist der grüne Bürgerschaftsabgeordnete Anjes Tjarks. Aus Sicht der HAK ist diese Lösung nur die zweitbeste, da die Kammer die Zusammenarbeit von Stadt- und Verkehrsplanung in einer gemeinsamen Behörde grundsätzlich für zielführender und effektiver erachtet. Dennoch eröffnet die neue Behörde die Chance für eine tatsächliche Mobilitätswende in Hamburg. Die HAK mahnt hierbei jedoch an, Verkehr und Verkehrsräume stets als Teil von Stadtentwicklung, Stadtplanung und Städtebau zu definieren und auf Augenhöhe mit der BSW zusammenzuarbeiten. Eine isolierte Betrachtung und Planung von Mobilität ist – siehe beispielhaft die bisherigen Planungen für die Sternbrücke – nicht mehr zeitgemäß und der Urbanität nicht förderlich.