Beton ist nach Wasser das meistverwendete Material der Welt – zugleich einer der größten Verursacher von CO₂-Emissionen. Dennoch bleibt er für viele tragende Strukturen im Hoch- und Infrastrukturbau unverzichtbar. Dieses Seminar beleuchtet, wie durch kluge Planung, materialeffiziente Konstruktionsweisen und zirkuläre Strategien der ökologische Fußabdruck von Beton reduziert werden kann. Dabei werden praxisnahe Ansätze, neue Materialentwicklungen und zukunftsweisende Strategien für Architekt*innen und Planer*innen vorgestellt.
1. Materialherkunft und ökologische Bilanz
• Überblick über Rohstoffgewinnung für Beton und Stahl in Deutschland
• Zement als Hauptverursacher von CO₂-Emissionen (ca. 80 % der Gesamtbilanz)
• Einfluss von Materialwahl, Herstellungsprozessen und Transport auf die Umweltwirkung
• Bedeutung der Lebensdauer und Nutzungsphase für die Gesamtbilanz von Bauwerken
2. Strategien zur Kreislaufführung (Reduce – Reuse – Recycle)
• Reduce: Materialreduktion durch Entwurfsoptimierung, Leichtbau, Bestandserhalt
• Reuse: Wiederverwendung von Bauteilen und Systemen (z. B. Projekte Remix, Remodule, Baukreisel)
• Recycle: Einsatz rezyklierter Gesteinskörnungen und Grenzen des stofflichen Recyclings
• Chancen und Herausforderungen fehlender Standards und Dokumentationspflichten
3. Sekundärstoffe und alternative Bindemittel
• Einsatz von Flugasche, Hüttensand, Recyclingmehl und anderen Sekundärrohstoffen
• Grenzen und Verfügbarkeit (z. B. durch Kohleausstieg)
• Neue Entwicklungen in der CO₂-Rückgewinnung (Carbon Capture) und Forschung zu Ersatzbindemitteln
4. Nachhaltige Planungsstrategien für Architekt:innen
• Auswahl umweltzertifizierter Betonarten (z. B. CSC-Zertifizierung, CO₂-Modul)
• Nutzung von Environmental Product Declarations (EPDs) zur Bewertung von Baustoffen
• Einfluss der Materialwahl, Detaillierung und Entwurfsentscheidungen auf die CO₂-Bilanz
5. Ausblick: Beton im zirkulären Bauen
• Zukunftsperspektiven für den Betonbau im Kontext von Kreislaufwirtschaft und Klimaneutralität
• Systemisches Denken als Voraussetzung für materialeffizientes und zirkuläres Planen
• Schnittstellen zwischen Planung, Rückbau und Wiederverwendung