Angesichts steigender urbaner Temperaturen und zunehmender Flächenversiegelung sind innovative Wasserkonzepte unverzichtbar für eine klimaresiliente Architektur und Stadtplanung. Dieses Seminar vermittelt praxisnahe Strategien zur Integration von blau-grüner Infrastruktur, um Gebäude und Städte als „Schwämme“ zu konzipieren, die Wasser speichern, verdunsten und nutzen.
Ausgehend von der Problematik städtischer Hitzeinseln und überlasteter Kanalisationen, werden technische und planerische Lösungen vorgestellt, die von der Quartiersebene bis hin zu privaten Bauvorhaben reichen.
Inhalte
• Integration von Regenwassermanagement, Grauwassernutzung und effizienten Bewässerungssystemen
Das Seminar behandelt das Prinzip der „Schwammstadt“ (Sponge City), um den Wasserabfluss zu reduzieren und das lokale Mikroklima zu verbessern. Schwerpunkte sind permeable Oberflächen (z. B. Drainpflaster zur Wasserrückhaltung), integrierte Rückhaltebecken und die Nutzung von Zisternen zur Entlastung der Kanalisation. Es wird aufgezeigt, wie Verdunstung über Vegetation und Wasseroberflächen der Umgebung Wärme entzieht und somit aktiv zur Kühlung beiträgt.
• Gestaltung von Pflanzenkläranlagen und Grauwassernutzung in privaten Bauprojekten
Die Teilnehmer*innen lernen Systeme zur dezentralen Wasseraufbereitung kennen. Gezeigt wird die Funktionsweise und Planung von Pflanzenkläranlagen zur ökologischen Reinigung von Abwasser. Zudem werden Konzepte zur Grauwassernutzung in Sanierungsprojekten (z. B. Doppelhaushälften) vorgestellt, die Trinkwasser einsparen und Kreisläufe schließen.
• Adiabate Regenwasserkühlung
Es wird erläutert, wie durch gezielte Verdunstungsprozesse (Evaporation und Transpiration von Pflanzen) die Umgebungstemperatur signifikant gesenkt werden kann – ein Effekt, der als natürliche Klimaanlage wirkt. Beispielhaft wird gezeigt, wie Pflanzen ihre Poren zur Photosynthese öffnen und durch die Wasserverdunstung der Umgebung Energie entziehen, was zu einer Abkühlung von Boden und Luft führt.
• Integration von Stadtbegrünung zur Wasserrückhaltung
Das Seminar stellt verschiedene Formen der Begrünung vor, die als natürliche Wasserspeicher dienen:
- Dachbegrünung: extensive Begrünungen als Klimaanlage und intensive Dachgärten als Nutzfläche
- Fassadenbegrünung zur Reduzierung der Gebäudeaufheizung und Verbesserung des Stadtklimas
- Grünstreifen und Straßenbäume: innerstädtische Blühstreifen und Baumstandorte als Versickerungsflächen
• Biodiversitäts- und Artenschutzmaßnahmen
Neben dem Wassermanagement wird der ökologische Mehrwert beleuchtet. Begrünungsmaßnahmen schaffen Lebensräume für Insekten und Vögel, fördern die Artenvielfalt und binden Schadstoffe wie Feinstaub und CO₂.
• Vorstellung von Best Practice Beispielen
Die theoretischen Inhalte werden durch detaillierte Einblicke in realisierte Projekte untermauert:
- Siedlungsprojekt Gut Buchholz „Kokoni One“ (Berlin-Pankow): Nachhaltige Konzeptentwicklung und energetische Infrastruktur
- Sanierung „Flusshof“ (Räbel): Ein ehemaliger Vierseithof mit Pflanzenkläranlage, Grauwassernutzung, Streuobstwiese und ökologischem Gesamtkonzept
- Kopenhagen („Wolkenbruch-Plan“): gesamtstädtische Lösungen zur Überflutungsvorsorge, wie die Tieferlegung des Sankt Annæ-Plads und der Tåsinge Plads als Wasserspeicher