Fortbildungsprogramm

zurück zur Übersicht HAK261.45P

Gebäudetemperatur natürlich gesund und effizient. Strahlungswärme über Decke, Wand und Masse Wand und Masse, Kühlung über Material statt Technik

Donnerstag, 4. Juni 2026
9.30 bis 17.00 Uhr

NEU im Programm

Präsenz Seminar

max. 24 Teilnehmer*innen

Referent

Dag Schaffarczyk
Dipl.-Ing. Architekt, Geschäftsführer der Spreeplan Projekt UG, Holzmechaniker

Umfang

8 Fortbildungsstunden / Unterrichtseinheiten je 45 Minuten

Gebühr

Mitglieder 175,00 €

Gäste 250,00 €

Ermäßigt 85,00 €

JM 50,00 €

ExG 85,00 €

 

Veranstaltungsort

Hamburgische Architektenkammer KdöR
Grindelhof 40
20146 Hamburg

Die Infrarotheizung hat sich von einer Nischenlösung zu einer ernstzunehmenden Alternative im energieeffizienten Bauen entwickelt. Dieses Fachseminar räumt mit Vorurteilen auf und liefert eine rein faktengesicherte Basis für die Planung. Basierend auf jahrelanger Forschung der TU Kaiserslautern und validierten Langzeitdaten aus Bestandsobjekten werden die physikalischen Wirkprinzipien, die neue Normierungssituation sowie ökologische Gesamtbilanzen („Graue Energie“) detailliert analysiert. Fachleute lernen, wie sie Infrarotsysteme korrekt dimensionieren, wo die Grenzen der aktuellen Berechnungsverfahren (GEG/EnEV) liegen und wie Infrarotheizungen in Kombination mit Photovoltaik Systemen Wärmepumpen ökologisch und ökonomisch übertreffen können.

Inhalte:
1. Physikalische Grundlagen: Thermische Behaglichkeit und Strahlungsphysik
In diesem Modul werden die fundamentalen Unterschiede zwischen Konvektions- und Strahlungswärme erarbeitet.
• Wärmeübertragungsarten: Differenzierung zwischen Wärmeleitung, Konvektion und Strahlung sowie deren Einfluss auf die Bausubstanz
• Thermische Behaglichkeit: Warum die Lufttemperatur nicht allein entscheidend ist – die Bedeutung der operativen Temperatur und der Umschließungsflächentemperaturen sowie der relativen Luftfeuchtigkeit auf die Wärmeübertragung und das Wärmeempfinden.
• Das Spektrum der Infrarotstrahlung: Einordnung von IR-A, IR-B und IR-C und deren Relevanz für die Wohnraumbeheizung.
• Bauphysikalischer Vorteil: Temperierung der Wände zur Vermeidung von Schimmelbildung und Verbesserung des Dämmwertes durch trockene Wände.
• Welchen Einfluss hat die Architektonische Planung und die Materialwahl auf Art und Umfang der Haustechnik

2. Normierung und Qualitätskriterien: Die DIN EN IEC 60675-3
Lange Zeit fehlte eine klare Definition für „Infrarotheizungen“. Dieses Modul erläutert die aktuellen Standards.
• Der Strahlungswirkungsgrad: Definition und Messverfahren nach der neuen Norm DIN EN IEC 60675-3. Warum ein Gerät erst ab 40 % Strahlungswirkungsgrad als Infrarotheizung gilt.
• Abgrenzung zu anderen Direktheizungen: Warum Heizlüfter, Nachtspeicheröfen und viele „IR-Paneele“ am Markt diese Kriterien oft nicht erfüllen.
• Reaktionszeiten: Die Bedeutung kurzer Aufheizzeiten für die Regeleffizienz und Anwesenheitssteuerung.

3. Ökobilanz und „Graue Energie“: Systemvergleich mit der Wärmepumpe
Eine ganzheitliche Betrachtung über den reinen Stromverbrauch im Betrieb hinaus (Life-Cycle-Assessment).
• Der „Ökologische Rucksack“: Vergleich der Herstellungsenergie („Graue Energie“) von Infrarotsystemen gegenüber komplexen wassergeführten Wärmepumpensystemen.
• CO2-Äquivalente und Kältemittel: Analyse des Treibhauspotenzials (GWP) von Kältemitteln und der Materialschlacht bei hydraulischen Systemen (Faktor 34:1 beim CO2-Rucksack zugunsten der IR-Heizung).
• Lebenszykluskosten: Betrachtung von Investition, Wartung (verschleißfrei vs. Kompressortausch) und Entsorgung über 40 Jahre.

4. Realitäts-Check: Langzeit-Monitoring und Verbrauchswerte
Analyse valider Daten aus einem Mehrparteienhaus (MFH Lauerz) über 15 Jahre im Vergleich zu theoretischen Bedarfsberechnungen.
• Theorie vs. Praxis: Warum der tatsächliche Verbrauch bei Infrarotheizungen oft drastisch unter den rechnerischen Prognosen (nach EnEV/GEG) liegt (Beispiel: 29 kWh/m² real vs. 86 kWh/m² berechnet).
• Langzeiterfahrung: Wartungsaufwand und Betriebssicherheit über 15 Jahre (Beispiel: Lediglich 3 Relais-Tausche in 15 Jahren bei 6 Wohnungen).
• Autarkie durch PV-Integration: Datenanalyse zur Deckung des Heizwärmebedarfs durch die eigene PV-Anlage (bis zu 50% solare Deckung im Winter, >100% im Jahresmittel).

5. Planungspraxis und Sanierungskonzepte: Konkrete Anwendungsfälle für Architekten im Neubau und Bestand
• Einsatz im Altbau: Ergebnisse aus Vergleichsmessungen (Gas vs. IR) und warum die IR-Heizung gerade bei unsanierten Gebäuden durch die Erwärmung der Hüllflächen punkten kann.
• Systemintegration: Kombination von Infrarot mit Photovoltaik und Batteriespeichern als Weg zum „Energie-Autonomiehaus“.
• Regelungstechnik: Anwesenheitsorientiertes Heizen statt träger Massenspeicherung.


In diesem Seminar wird Ihnen vermittelt:
● Architektur/Materialwahl: Einfluss der städtebaulichen und architektonischen Planung auf Energieeffizienz und Verbrauch; Einordnung von Baustoffen auf ihren Wirkungsgrad hinsichtlich Energie, Klimatisierung und Gesundheit
● Berechnungslücken: warum klassische Heizlastberechnungen den Verbrauch von Infrarotheizungen systembedingt zu hoch einschätzen (fehlende Berücksichtigung des Strahlungsgewinns und der Hüllflächentemperierung)
● Ganzheitlich zu bilanzieren: Erstellung echter CO2-Gesamtbilanzen, die nicht nur den Betriebsstrom, sondern auch die „Graue Energie“ der Herstellung und das Kältemittelrisiko von Wettbewerbssystemen (Wärmepumpen) einbeziehen
● Sanierungen wirtschaftlich zu planen: Potenziale in der Altbausanierung, bei denen der Einbau einer IR-Heizung Investitionskosten massiv senkt (Faktor 5:1 im Vergleich zu Wärmepumpen) und Bauschäden (Feuchte) verhindert
● Argumentationssicherheit zu gewinnen: Kenntnis belastbarer Daten aus Langzeitstudien (z.B. MFH Lauerz), um gegenüber Bauherrschaft und Investor*innen die Betriebssicherheit und die niedrigen realen Verbräuche zu belegen