Eine neue gesetzliche Anforderung (Gebäudemodernisierungsgesetz) ergänzt den Planungsprozess von Gebäuden. Neben den bereits etablierten Nachweisen und Leistungen sind künftig die ökologischen Auswirkungen des gesamten Lebenszyklus inkl. der verwendeten Baumaterialien auf Gebäudeebene zu ermitteln und zu bewerten.
Bisher waren nur die Umweltwirkungen des Energiebedarfs nachzuweisen. Dieser Ansatz wird um die Umweltwirkungen aus den geplanten Baumaterialien erweitert, es ist also der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes auf Basis einer Ökobilanz (Life Cycle Assessment – LCA) zu ermittelt.
Die Ermittlung der Umweltwirkungen der Baumaterialien über ihren Lebenszyklus, die notwendigen Einzelnachweise sowie deren Berechnung auf Gebäudeebene gehören noch nicht zu dem Standardrepertoire der Planer*innen. Die Berücksichtigung der Umweltwirkungen der Baumaterialien über ihren Lebenszyklus ist und wird durch die neuen gesetzlichen Regelungen aber ein wichtiger den Entwurf beeinflussender Faktor. Hier sind neue Kompetenzen aufzubauen, um auch diesem Teil des Planungsprozesses gerecht werden zu können.
Um die Fäden des eigenen Entwurfs in der Hand zu behalten, sind Architekt*innen gut beraten, sich diese Kompetenzen anzueignen, auch und insbesondere wenn sie die LCA-Berechnungen und Einzelnachweise nicht selbst, sondern durch Dritte erbringen lassen.
Am 10. Juli 2026 wurde das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) als Nachfolger des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) verabschiedet und eingeführt. Neben verschiedenen Anpassungen setzt das Gesetz auch europäische Vorgaben um, wie z.B. dass künftig neben dem Energieausweis zusätzlich ein „Bericht zur Treibhausgas-Bilanz im Lebenszyklus“ auf Basis einer Ökobilanz (LCA) nach Vorgabe der ebenfalls neu veröffentlichten DIN SPEC 91606 zu erstellen ist.
Während die LCA bereits seit vielen Jahren Bestandteil von Nachhaltigkeitsbewertungssystemen und Voraussetzung zahlreicher ökologisch orientierter Förderprogramme ist, wird sie nun verbindlich in den allgemeinen Bau- und Planungsprozess integriert.
Die ökologische Bewertung der Baumaterialien stellt damit eine neue fachliche Anforderung im Planungsprozess dar. Sie erfordert sowohl fundierte Kenntnisse der Lebenszyklusbewertung als auch den sicheren Umgang mit den geforderten Nachweisverfahren. Somit gewinnt die Berücksichtigung ökologischer und materialspezifischer Aspekte bereits in der Entwurfsphase erheblich an Bedeutung. Eine entwurfsbegleitende Anwendung der Ökobilanz ermöglicht es, Optimierungspotenziale frühzeitig zu erkennen, Varianten zu vergleichen und fundierte Entscheidungen gemeinsam mit der Bauherrschaft zu treffen.
Auf Grundlage einer möglichst frühzeitigen materialbezogenen Gebäudeanalyse können unterschiedliche Entwurfsvarianten hinsichtlich ihrer Umweltwirkungen bewertet und gezielt weiterentwickelt werden. Ziel eines zeitgemäßen Planungsprozesses sollte es sein, architektonische, funktionale und ökologische Anforderungen von Beginn an ganzheitlich miteinander zu verbinden und so nachhaltige Gebäude mit einer möglichst geringen Umweltwirkung zu entwickeln.
Das Seminar richtet sich an Planer*innen, die sich einen Überblick über diese neue Anforderung der Lebenszyklusanalyse von Gebäuden verschaffen wollen.
Ziel des Seminars ist es, einen ersten Eindruck dieser neu geforderten Inhalte zu vermitteln. Zusätzlich werden gemeinsam erste Bauteile und Baukonstruktionen selbstständig erstellt und unter den geforderten ökologischen Aspekten eingeschätzt.
Vortrag:
• allgemeine Grundlagen und Hintergründe
• Materialdatensätze als Datengrundlage
• Einführung in die LCA-Berechnung
• Berechnungsvorschrift und Nachweise
Praktische Übung:
• Ermittlung der Umweltwirkungen von Bauteilen
• Variantenvergleich, Bauteiloptimierungen unter ökologischen Aspekten
• das Gebäude als Rohstofflager der Zukunft
• Neubau- und Bestandsbilanzierung