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Architekt*innen blicken mit Sorge in die Zukunft: Umfrage zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auf die Planerberufe

Eine aktuelle gemeinsame Umfrage von Bundesarchitektenkammer und Bundesingenieurkammer zeigt, dass sich Architekturbüros auf wirtschaftlich schwierige Zeiten einstellen. Der Berufsstand wird vor allem von nachgelagerten Effekten betroffen sein. In Hamburg sind die Einschätzungen der Planungsbüros auf vielen Feldern teils deutlich schlechter als im Bundesdurchschnitt.

Über 6.000 selbstständige Architektinnen und Architekten aller Fachrichtungen in ganz Deutschland haben Anfang April an einer Umfrage zu den Auswirkungen der Coronakrise teilgenommen. Mehr als drei Viertel der Befragten spüren bereits konkret die Folgen der Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Covid-19, ein Drittel sogar deutlich negative. Die bundesweit meistgenannten Probleme sind: abgesagte oder zurückgestellte Aufträge (52%), Verzögerungen im Genehmigungsprozess durch eine unterbesetzte öffentliche Verwaltung (41%), Störungen auf der Baustelle (34%). Ab dem 2. Halbjahr 2020 rechnen Architekten und Ingenieure insgesamt mit einer deutlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und finanziellen Einbußen. Innenarchitekten sind jetzt schon am stärksten betroffen.

Bezogen auf Hamburg sind die Einschätzungen zumeist noch negativer: 86% der Befragten spüren negative Folgen der Pandemie (Bundesdurchschnitt: 79%). 33% erleben Verzögerungen auf der Baustelle durch Personalengpässe der ausführenden Betriebe (Bundesschnitt: 31%), 31% (der deutschlandweit höchste Wert) sehen sich mit Verzögerungen auf der Baustelle durch Umsetzung von Vorgaben konfrontiert (Bundesschnitt: 23%). Ebenfalls überdurchschnittlich oft sehen sich Hamburger Büros mit Zahlungsengpässen bei Auftraggebern (Hamburg: 20%, Bundesschnitt: 18%) sowie Kapazitätsengpässen wegen Ausfall eigener Mitarbeiter konfrontiert (Hamburg: 21%, Bundesschnitt: 17%). Überdurchschnittlich häufig beklagen Hamburger Planungsbüros bereits eingetretene oder sich abzeichnende wirtschaftliche Schäden (Hamburg: 63%, Bundesschnitt: 55%). 40% der Hamburger Büros erwarten im zweiten Halbjahr 2020 konkrete Liquiditätsprobleme (Bundesschnitt 33%). Bei der Beantragung von Kurzarbeit für Mitarbeiter/-innen liegen Hamburger Büros derzeit in der Spitzengruppe (Bundesdurchschnitt 12%).

Auch wenn die wirtschaftlichen Folgen der Pandemiekrise für die meisten Planungsbüros momentan noch durch u.a. das Abarbeiten bereits erteilter oder laufender Aufträge beherrschbar sind, ist damit zu rechnen, dass sich dies in den nächsten Monaten zum Negativen verändern wird. Insbesondere ist zu erwarten, dass sich das Auftragsvolumen durch das Zurückstellen oder die Absage von Aufträgen reduziert. Auch werden Verzögerungen in den Genehmigungsprozessen weiterhin zu Schwierigkeiten führen. Umso wichtiger ist es, dass die öffentliche Hand in den nächsten Monaten und Jahren weiter ein verlässlicher Auftraggeber bleibt und Investitionsprogramme (Schul- und Hochschulbau, Wohnungsbau etc.) fortführt – die immensen Bedarfe legen dies ohnehin nahe.

Die Studie inklusive der Länderergebnisse finden Sie hier.