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Internationale Tagung und Filmprogramm: Die Zukunft ermitteln. Neues zum Film am Bauhaus

Aus der Ankündigung:

Das »Staatliche Bauhaus« gilt als die einzige konkrete Materialisierung der Ideen des 1918 gegründeten »Arbeitsrat für Kunst«, dem auch Walter Gropius angehörte: »Die Kunst soll nicht mehr Genuss weniger, sondern Glück und Leben der Masse sein. Zusammenschluss der Künste unter den Flügeln einer großen Baukunst ist das Ziel.« Man forderte u.a. die Anerkennung aller Bauaufgaben als öffentliche und nicht private Aufgabe. Das Bauhaus ist somit Teil breiterer Reformbestrebungen der Weimarer Republik. Es wird heute gerne als eine der »einflussreichsten Bildungsstätten« überhaupt bezeichnet, doch andere deutsche Kunsthochschulen verfolgten ähnliche Methoden und Ziele, ohne im demselben Maße Anerkennung zu genießen, so etwa die Schulen in Magdeburg, Halle, Dresden-Hellerau, Essen-Folkwang und das Frauenbildungsinstitut Loheland.

Die Tagung wird diskutieren, ob das bekannte Interesse des Bauhauses für das Medium Film zu einem »Vorsprung« dieser Schule geführt hat, oder erst das öffentliche Ausgrenzen in der Nazidiktatur und der Gang der Akteure ins Exil. Zu den zu besprechenden Themen zählt die Frage, wie das Bauhaus zur »Marke« wurde, und welchen Anteil daran Werbe- und PR-Filme hatten. Zahlreiche Filme zum Neuen Bauen sind dem Sozialen verpflichtet, bewerben ein Wohnen in »Licht, Luft und Sonne«. Die Erschaffung des Mythos »Bauhaus« ist keineswegs erst eine Erscheinung der Nachkriegszeit, sondern wurde bereits in den 1920er Jahren von den Aktivisten selber vorangetrieben. Insbesondere die medial versierten Direktoren Walter Gropius und Mies van der Rohe machten aus dem Bauhaus eine »Marke« (engl. Brand = Brandzeichen), dank markanter Eigenschaften der Bauhaus-Produkte, frühem »Corporate Identity«, aber auch mit Hilfe geschicktem, durch das Exil in den USA noch potenziertem PR-Managements.

Die provokante These eines Tagungsbeitrages sieht in der von Gropius erbauten Siedlung Dessau-Törten einen einzigen großen »Film- und Fotoset«, der als reales Bauvorhaben eher gescheitert sei. Weitere Beiträge untersuchen, ob etwa Amateurfilme der neuen Siedlungen ein anderes Bild liefern als die Interesse geleiteten PR-Filme? Auch die bisher weitgehend unbekannte Verbindung des Bauhauses zum Produktwerbefilm, etwa für Jenaer Glas, wird zur Sprache kommen. Schließlich werden auch einige der am Bauhaus praktizierten Übergänge von Film und anderen Künsten ins Auge gefasst: Lichtprojektionen, Fotografie, Theatereinspielfilme, Polykino, expanded cinema. Letztlich enthält der Filmcorpus »Bauhausfilme« nicht nur reformerische Architekturfilme, sondern ebenso abstrakte Filme, wie sozialkritische Dokumentarfilme.

Das genaue Programm finden Sie hier.

Termin:
1.11. – 4.11.2018

Tagungsort:
Fotofabrique
Valentinskamp 34 a (Gebäude im Hof hinten links, 4. Stock, Fahrstuhl vorhanden; einfacher Zugang auch über Speckstraße), 20355 Hamburg.

Filmprogramme:
Metropolis Kino
Kleine Theaterstrasse 10, 20355 Hamburg.

Veranstalter:
Kinemathek Hamburg (Martin Aust) und Landeszentrale für Politische Bildung Hamburg (Sabine Bamberger-Stemmann). Kuratiert von Thomas Tode.

Gefördert durch die Hamburgische Architektenkammer.