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Ausstellung "Die Neue Heimat": Beiprogramm mit Filmabenden und Exkursionen

Noch bis zum 6. Oktober 2019 zeigt das Museum für Hamburgische Geschichte in einer Kooperation mit dem Hamburgischen Architekturarchiv der Hamburgischen Architektenkammer und dem Architekturmuseum der TU München die Ausstellung „Die Neue Heimat (1950 – 1982). Eine sozialdemokratische Utopie und ihre Bauten“. Zur vertiefenden Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsthema werden in Kooperation mit dem Hamburgischen Architekturarchiv in den kommenden Wochen Filmabende und Busexkursionen angeboten.

Unter dem Titel „Die Neue Heimat im Film – Glanz, Kritik und Menschen“ wird an zwei Abenden historisches Filmmaterial aus den 1960er und 1970er Jahren gezeigt – darunter die NDR-Produktion „Die Leute vom Mümmelmannsberg“ von Horst Königstein aus dem Jahr 1976.

Drei Busexkursionen bieten die Möglichkeit, ausgewählten Hamburger Wohnsiedlungen zu besuchen, die pars pro toto für viele Großbauprojekte im Deutschland in der Nachkriegszeit stehen. Diese Vor-Ort-Besuche bieten den Teilnehmern einen authentischen Einblick in die Architektur der „Neuen Heimat“ sowie in die stadtplanerischen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, die der Veränderung der Vorstellung von urbanem Wohnraum von der Gartenstadt bis zur eigenständigen Großsiedlung zugrunde lagen. Alle drei Exkursionen beginnen mit einer kurzen Einführung im Museum für Hamburgische Geschichte. Start- und Endpunkt der Busrundfahrt ist ebenfalls das Museum.

FILMPROGRAMM
Für alle Filmabende gilt: Veranstaltungsort ist der Große Hörsaal im Museum für Hamburgische Geschichte. Der Eintritt zu den Filmabenden ist frei. Eine Besichtigung der Sonderausstellung ist bis 18:45 Uhr möglich. Museumseintritt ist hierfür erforderlich.

22. August 2019, 19 Uhr
Filmabend: „Schöne Neue Heimat – Ein Wohnungsbaukonzern im Widerspruch“.

Geburtstagsfilm zum 50. Geburtstag von Albert Vietor. Produktion: Cinecentrum, 1972, 16 Minuten.
„Neue Heimat Report“, Produktion: Cinecentrum, ca. 1968. 28 Minuten
„Schöne Neue Heimat – Ein Wohnungsbaukonzern im Widerspruch“. Radio Bremen, 12.6.1974, 43 Minuten
Die Redakteure Helmuth Weiland und Istvan Bury interviewen enttäuschte Mieter und Gegner der Neuen Heimat und schließlich die angegriffenen Manager. Albert Vietor versuchte mit einer Unterlassungsklage die weitere Ausstrahlung zu verhindern: „Die Zeit“ schrieb am 21.6.1974 unter dem Titel „Dünnhäuter“: „Es kann dabei … nicht ausbleiben, dass allzu enge Beziehungen zwischen Vietors Konzern und vor allem sozialdemokratisch regierten Großstädten die Frage nach einer unkontrollierten Machtentfaltung eines einzelnen aufwerfen.“
Einführung: Robert Galitz

12. September 2019, 19 Uhr
Filmabend: „Die Leute von Mümmelmannsberg“

„Die Leute von Mümmelmannsberg“, NDR 1976, 106 Minuten
Die Neue Heimat feierte sich mit Udo Jürgens, den Kessler Zwillingen und Bands wie „Les Humphries Singers“. Glanz, Pomp und im „Neue Heimat Report“ auch POP. Ein Höhepunkt war die Inszenierung des 50. Geburtstags von Albert Vietor im Hotel Atlantik 1972. Gleichzeitig wuchsen bereits die Zweifel. Auf ihrem Zenit sah sich die Neue Heimat einer Front aus enttäuschten Mietern, zunehmend gewerkschaftskritischen Kräften bis zu Hausbesetzern gegenüber. Von diesen Fronten machte sich Horst Königstein 1976 völlig unabhängig mit seinem Spielfilm „Die Leute vom Mümmelmannsberg“. Ihn interessieren die Menschen. Mit großem Einfühlungsvermögen und größter Leichtigkeit zeigt er, wie das Leben in der Betonburg wirklich aussieht und lädt auch noch Inge Meysel und Udo Lindenberg dazu ein. An der Tür im Parterre des Hauses der Max-Pechstein-Straße 8 hing ein Schild: „Klingeln Sie mal bei uns. Kommen Sie doch rein.“ Ein Fernsehteam des NDR hatte sich von Juli bis Oktober 1976 in einer Zwei-Zimmer-Wohnung eingemietet, um von dort aus „Expeditionen“ zu unternehmen, zu den Nachbarn im Mietshaus, auf den Straßen, in die einzige Kneipe des Viertels oder in die Zentren für Jugendliche und Alte. Nichts war gestellt, alles vorgefunden.
Einführung: Robert Galitz

BUSEXKURSIONEN ZU SIEDLUNGEN DER NEUEN HEIMAT
Die drei ausgewählten Hamburger Wohnsiedlungen aus drei Jahrzehnten stehen pars pro toto für viele Großbauprojekte in Deutschland in der Nachkriegszeit. Sie bieten Einblick in die Architektur der Neuen Heimat sowie die stadtplanerischen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, die der Veränderung der Vorstellung von urbanem Wohnraum von der Gartenstadt bis zur eigenständigen Großsiedlung zugrunde lagen. Alle drei Exkursionen beginnen mit einer kurzen Einführung im Museum für Hamburgische Geschichte. Die Ausstellung kann vor der Exkursion eigenständig mit dem Ticket für die Bustour besichtigt werden. Start- und Endpunkt der Busrundfahrt ist ebenfalls das Museum. Abfahrt und Rückkehr für alle drei Exkursionen: Vorplatz Museum für Hamburgische Geschichte, Holstenwall 24, 20355 Hamburg. Kosten: 25,- €; ermäßigt: 20 € (inkl. Eintritt in das Museum für Hamburgische Geschichte am Veranstaltungstag), Anmeldung erforderlich über: Museumsdienst Hamburg. Tel.: 040 4281310, E-Mail: info@museumsdienst-hamburg.de

Samstag, 24.08.2019, 15 Uhr bis ca. 18 Uhr
Busexkursion zur Gartenstadt Hohnerkamp in Bramfeld

Bauzeit: 1953 – 55, Architekt: Hans Bernhard Reichow
Führung: Norbert Baues, Hamburgisches Architekturarchiv
Die Siedlung Hohnerkamp entwickelte der Architekt Hans Bernhard Reichow nach seinen Ideen der „organischen Stadtbaukunst“. Dabei sind die flachen Reihenhäuser, die mehrgeschossigen Zeilen und gefächerten Punktbauten in einen Grünzug eingebettet und bilden mit den Verästelungen des Straßen- und Wegenetzes ein herausragendes und bis heute erhaltenes Beispiel der frühen Stadtlandschaftsplanungen nach dem Krieg.

Samstag, 21.09.2019, 15 Uhr bis ca. 18 Uhr
Busexkursion zur Großsiedlung Mümmelmannsberg

Bauzeit: 1970 – 79, Architekten: Werkgemeinschaft Freier Architekten Karlsruhe
Führung: Sabine Kock, Hamburgisches Architekturarchiv
1968 legte die Werkgemeinschaft freier Architekten Karlsruhe den Grundstein für die Neubebauung in Mümmelmannsberg. Neu an der Großsiedlung im Osten Hamburgs war die mäandernde Struktur geöffneter Blockrandbebauungen. Die übersichtlichen Wegachsen bildeten mit den Grünräumen ein differenziertes System öffentlicher und privater Räume.

Samstag, 28.09.2019, 15 Uhr bis ca. 18 Uhr
Busexkursion zur Großsiedlung Lohbrügge-Nord

Bauzeit: 1960 – 69, Architekten: Neue Heimat/Landesplanungsamt
Führung: Paul Dietrich, Hamburgisches Architekturarchiv
Mitte der 1960er Jahre galt Lohbrügge-Nord als größte städtebauliche Neuschöpfung Hamburgs. In Zeiten von Wachstum und Expansion entwickelte sich der Gartenstadtgedanke unter der Forderung „Urbanität durch Dichte“ zu einer gemischten Siedlungsstruktur, bei denen die Stapelung von Wohnflächen zu neuen Formen von Wohnhochhäusern führten. Die Großsiedlung am Stadtrand ist eines der frühen Beispiele der Entstehung von „Trabantenstädten“.