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Neuer Stadtteil Grasbrook - Stellungnahme der Hamburgischen Architektenkammer

Pressemitteilung der Hamburgischen Architektenkammer
Hamburg, den 13. September 2017

HAK-Präsidentin Karin Loosen begrüßt Pläne für neuen Stadtteil Grasbrook

Die Präsidentin der Hamburgischen Architektenkammer, Karin Loosen, begrüßt die Pläne für die Entwicklung eines neuen Stadtteils Grasbrook:
„Wir freuen uns sehr, dass der Senat auch nach dem Scheitern der Olympia-Planungen auf dem so günstig gelegenen Areal südlich der Elbbrücken einen neuen Stadtteil realisieren will. Dieser Ort, an der Elbe vis-à-vis der Hafencity und gleich neben der Veddel gelegen, ist zu bedeutend, um dort Waren zu lagern und zu verschiffen. Hier kann nach der Fertigstellung der Hafencity ein wichtiger Impuls für Hamburgs Stadtentwicklung gegeben und der Sprung über die Elbe fortgeführt werden. Der neue Stadtteil auf der Südseite der Norderelbe hat eine wichtige Scharnierfunktion und kann einen substantiellen Beitrag leisten zur Einbettung und Stärkung der Veddel sowie Wilhelmsburgs. Die Hamburgische Architektenkammer hat schon seit langem gefordert, hier einen neuen gemischten Stadtteil mit internationalem Charakter zu planen. Zuletzt wurden 2016 im Rahmen des Kammer-Workshops ,Ankunftsstadt Hamburg – aber wie? Strategien integrativer Stadtentwicklung‘ Vorschläge für eine solche Umnutzung entwickelt. Umso mehr freut es uns, dass diese Überzeugungsarbeit auf fruchtbaren Boden gefallen ist.“

Wenn es nun in die konkreten Planungen geht, sollten aus Sicht der Architektenkammer folgende Punkte bedacht werden:

1.      Es ist dafür Sorge zu tragen, dass Grasbrook als vollwertiger Stadtteil entsteht, der nicht nur Wohnraum und Arbeitsstätten bereithält, sondern auch Betreuungs- und Bildungseinrichtungen (Kitas, Schule), Freizeiteinrichtungen, Einzelhandel für den täglichen Bedarf etc. Angesichts der Lage ist ein städtebaulicher Bezug zum Wasser und zum Hafen selbstverständlich.

2.      Eine gute ÖPNV-Anbindung ist essentiell. Eine Verlängerung der U4 in den neuen Stadtteil hinein, so wie es bereits für Olympia geplant war, ist deshalb sinnvoll.

3.      Der neue Stadtteil darf nicht als isoliertes Gebiet geplant werden, sondern muss Verbindung zur Umgebung aufnehmen – zur Innenstadt, vor allem aber zur nahegelegenen Veddel. Der künftige Stadtteil Grasbrook sollte zur Stabilisierung und Verbesserung der Veddel beitragen, der es eklatant an Sozialeinrichtungen, Ärzten, Einzelhandel etc. mangelt.

4.      Der Stadtteil Grasbrook sollte als ein Stadtteil für Alle geplant werden, in dem es nicht nur eine funktionale, sondern auch eine soziale Mischung gibt. Es muss sichergestellt werden, dass überwiegend Wohnraum entsteht, der für Menschen mit mittleren und geringen Einkommen bezahlbar ist. Die einzigartige Lage direkt am Hafen und zwischen Veddel/Wilhelmsburg einerseits und der City/Hafencity andererseits sollte Anlass sein, hier einen Stadtteil mit besonders offenen, internationalen Charakter im Sinne einer „Ankunftsstadt Hamburg“ zu planen.

5.      Grasbrook sollte als ein vielfältiger, lebendiger Stadtteil geplant werden, dessen Nutzungen und Funktionen feinkörnig gemischt und eng miteinander verwoben sind. In zentralen Bereichen sollten die Erdgeschosse für öffentlichkeitsbezogene Nutzungen ausgelegt werden.

6.      Die räumliche Nähe zwischen Hafen(-wirtschaft) und Stadtteil birgt Probleme (Emissionen etc.), sollte aber auch als Chance begriffen und genutzt werden, das Wohnen und Arbeiten wieder räumlich stärker miteinander zu verbinden.

7.      Die konkrete Planung des Stadtteils muss transparent und unter Beteiligung der Öffentlichkeit erfolgen. Sowohl für Städtebau als auch Architektur müssen Wettbewerbe veranstaltet werden – sie sind das Mittel, um höchstmögliche Qualität zu erreichen. Auch sollte man sich von den Prämissen der Olympia-Planung lösen und den Städtebau unter der aktuellen Perspektive gänzlich neu entwickeln.

Die Hamburgische Architektenkammer bietet dem Senat bei allen anstehenden Planungsschritten ihre Expertise und Mithilfe an.

Für Rückfragen:
Claas Gefroi
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hamburgische Architektenkammer
E-Mail: gefroi@akhh.de